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Die jüngsten Verkehrsteilnehmenden im Fokus: Aktion Kinder-Unfallhilfe e.V. vergibt den Preis „Der Rote Ritter 2026“ an kreative Präventionsprojekte

Ob zu Fuß, auf dem Fahrrad oder mit dem E-Scooter: Kinder sind unsere verletzlichsten Verkehrsteilnehmenden und müssen frühzeitig lernen, sich sicher durch den Straßenverkehr zu bewegen. Für dieses Ziel engagieren sich täglich Menschen mit kreativen Projekten – von virtueller Realität bis zum Hörspiel. In Hamburg ehrte der gemeinnützige Verein Aktion Kinder-Unfallhilfe e.V. jetzt die innovativsten Ideen zur Verkehrserziehung.

Stefan Windgätter (l., Vorstandsvorsitzender der Aktion Kinder-Unfallhilfe) und Sonja Bayer (r., Vorständin) überreichen Uwe Nestel den Ehrenritter, Foto: Jan Scheutzow/VerkehrsRundschau

Hamburg, 23. Oktober 2026.  Der Straßenverkehr ist im Wandel: E-Autos fahren fast geräuschlos durch verkehrsberuhigte Zonen, immer stärker motorisierte SUV beschleunigen schneller als gedacht und viele Autofahrerinnen und Autofahrer lassen sich vom Smartphone ablenken und vertrauen auf ihre modernen Assistenzsysteme. Auch die Jüngsten sind durch E-Bike und E-Scooter immer schneller unterwegs. Gleichzeitig sorgen Elterntaxis für Verkehrschaos vor den Schulen und weniger Selbstständigkeit der Kinder. Die Herausforderungen im heutigen Straßenverkehr sind so vielfältig wie nie.

Umso wichtiger ist die Arbeit der Menschen, die sich tagtäglich für eine solide Verkehrserziehung unserer jüngsten Verkehrsteilnehmenden sowie sichere Schulwege einsetzen. Sie planen, entwickeln und organisieren verschiedenste Projekte, um Kinder für die Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren. Alle zwei Jahre ehrt der Aktion Kinder-Unfallhilfe e.V. die besten Ideen. Aus zahlreichen Einsendungen aus ganz Deutschland stachen neun Konzepte besonders hervor und wurden am 23. Oktober von dem gemeinnützigen Verein mit dem Präventionspreis „Der Rote Ritter“ ausgezeichnet.  

Von der Arbeit mit VR-Brille über E-Scooter-Trainings bis hin zum lehrreichen Hörspiel für Groß und Klein: Auch die Schulungen zur Verkehrserziehung von Kindern und Jugendlichen werden vielfältiger und passen sich aktuellen Problemen und Gefahrensituationen an. So setzt das Münchner Projekt VR4Kids beispielsweise auf Perspektivwechsel. Mithilfe von virtueller Realität lernen die Kinder in einer simulierten Umgebung nicht nur, wann ihnen beim Abbiegen eines Lkw Gefahr droht, sondern auch, wie schwer es für den Fahrer ist, alles im Blick zu behalten. Doch auch das klassische Fahrradtraining mit neuem Ansatz, wie das Projekt „Ausreichend sattelfest?“ aus Seevetal bei Hamburg, ist aktuell wie nie. Sogenannte Elterntaxis sorgen zunehmend dafür, dass es Schülerinnen und Schülern an Praxiserfahrung im Straßenverkehr und im Umgang mit Fahrrädern und Rollern fehlt.    

„Alltag und Straßenverkehr verändern sich. Beides wird digitaler, doch reale Gefahren bleiben“, sagt Dr. Jan Zeibig, Vorstandsmitglied des Aktion Kinder-Unfallhilfe e.V.. „An diese Entwicklung muss sich auch die Präventionsarbeit anpassen. Neue Medien ermöglichen einen besseren Zugang zu Lerninhalten. Gleichzeitig fehlt es vielen Kindern an erlebter Praxis im Straßenverkehr. Die Projekte, die wir in diesem Jahr ausgezeichnet haben, haben Vorbildcharakter und zeigen eindrucksvoll, wie moderne Verkehrserziehung aussehen kann.“

Prävention und Unterstützung

Seit 1998 macht es sich der Verein Aktion Kinder-Unfallhilfe e.V. zur Aufgabe, Kindern und Jugendlichen zu helfen, die im Straßenverkehr verunglückt sind. Darüber hinaus engagiert sich der Hamburger Verein für die Unfallverhütung und zeichnet die besten Verkehrssicherheitsprojekte Deutschlands alle zwei Jahre mit dem Präventionspreis „Der Rote Ritter“ aus. Der Award ist mit mindestens 20.000 Euro dotiert. Gemeinsam mit dem Partner TEILEn e.V. vergibt der Kinder-Unfallhilfe e.V. außerdem einen Medienpreis für die innovativste Print-, Online-, TV- oder Social-Media-Kampagne zum den Themen Verkehrssicherheit und Unfallprävention.

Folgende Projekte wurden mit dem Roten Ritter 2026 ausgezeichnet:

Ausreichend sattelfest? / Seevetal, NI

Immer mehr Kinder und Jugendliche tun sich im Umgang mit Fahrrädern und Rollern schwer. Um diesem Trend entgegenzuwirken, veranstaltete der Präventionsrat Seevetal e.V. zunächst eine Ferien-Verkehrswoche, aus der 2023 der nun jährlich stattfindende Fahrradtag hervorging. Neben einem Fahrradparcours werden zahlreiche weitere Aktionen rund um Roller und Bike angeboten, um die Motorik der jungen Verkehrsteilnehmenden zu schulen.  

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Plappermaul sicher im Straßenverkehr – mit der Polizei zur Verkehrspuppenbühne / Dortmund, NRW

Das Dortmunder Jugendamt und die Dienststelle Verkehrsunfallprävention und Opferschutz haben gemeinsam mit der Künstlerin Jasmin Franik das Bilderbuch „Plappermaul sicher im Straßenverkehr“ entwickelt. Dieses Buch erhalten alle angehenden Dortmunder Schulkinder über die Polizeipuppenbühne und die Familienbüros. Das Buch steht darüber hinaus auch online in mehreren Sprachen zur Verfügung. In dem Bilderbuch werden die Eltern als wichtigste Vorbilder angesprochen – sie erhalten Hinweise zu Themen wie Sicherheit, Sichtbarkeit, Rücksichtnahme und Elterntaxi.

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Schüler mobilisieren / Mühlheim an der Ruhr, NRW

Im Schuljahr 2025/26 veranstaltete die Schule gemeinsam mit der Verkehrswacht Mülheim und weiteren Partnern erstmals das „VerkehrsFest“. An Mitmachstationen und in einem Linienbus der Ruhrbahn übten die Kinder, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen und Gefahren wie den toten Winkel besser einzuschätzen. Ergänzt wurde die Mobilitätswoche durch kreative Klassenaktionen sowie regelmäßiges Schulweg-, Roller- und Fahrradtraining.

Schülerlotsenausbildung / Kaiserslautern, RP

An der Integrierten Gesamtschule Goetheschule in Kaiserslautern werden Jugendliche ab 13 Jahren zu ehrenamtlichen Schülerlotsen ausgebildet. In diesem Jahr nahmen 17 Schülerinnen und Schüler an dem Lehrgang der Jugendverkehrsschule teil, der Theorie, Gefahrenlehre und praktische Übungen am Zebrastreifen vor der Schule umfasst. Die Verkehrswacht Kaiserslautern Stadt und Land e.V. stattete die engagierten Jugendlichen mit reflektierenden Jacken und Winkerkellen aus.

Sicherer Schulweg: Fußabdrücke und übersichtlicher Schulwegplan-Flyer / Oberstenfeld, BW

Wo lässt sich die Straße gut überblicken und sicher überqueren? Leuchtend gelbe Fußabdrücke auf Gehwegen in Oberstenfeld geben Schulkindern und anderen Fußgängerinnen und Fußgängern eine klare Orientierung. Entstanden sind die Markierungen im Rahmen der AG „Sicherer Schulweg“: Gemeinsam mit Schule und Gemeinde wurde ein übersichtlicher Schulwegplan-Flyer entwickelt. Die Fußspuren ergänzen diesen direkt vor Ort, denn sie stehen an den gekennzeichneten Gefahrenstellen jeweils auf beiden Seiten der Querung und mit Blick zur Straße.

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„Voll im Flow“ GEMEINSAM STARK AUF ROLLEN – Sicher mit dem E-Scooter durch die chaotische Welt des Straßenverkehrs / Mönchengladbach, NRW

Gemeinsam mit vier Jugendträgern der Stadt Mönchengladbach entstand die Idee eines kostenlosen E-Scooter-Fahrsicherheitstrainings für Jugendliche ab 14 Jahren und junge Erwachsene bis 21 Jahre, um die gestiegene Anzahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von E-Scooterfahrenden zu reduzieren. Im Verlauf des Fahrsicherheitstrainings werden alle Teilnehmenden über die aktuellen geltenden gesetzlichen Regelungen, typische Gefahrensituationen, das sichere Verhalten, die Wichtigkeit von Helmen und die Sichtbarkeit im Straßenverkehr aufgeklärt.

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Sicher in die Schule – Lernen durch Erleben. Sicher handeln. Zukunft schützen. / Berlin

Seit 2010 bereitet die Landesverkehrswacht Berlin mit dem Präventionsprojekt „Sicher in die Schule“ jährlich Vorschulkinder praxisnah auf ihren zukünftigen Schulweg vor. Bereits über 8.000 Kinder haben teilgenommen. Durch frühzeitige Vorbereitung in den Kindertagesstätten, erlebnisorientierte Verkehrssicherheitstage und nachhaltige Vertiefung im Kita-Alltag stärkt das kostenfreie Projekt die sichere und selbstständige Mobilität von Kindern.

VR4Kids Verkehrssicherheit – Gefahren erleben, Perspektiven wechseln, sicher handeln und VR4Kids Rettungswagen – Rettung erleben, Ängste abbauen. / München, BY

Virtual Reality trifft auf Prävention: Mithilfe von VR-Brillen lernen die Kinder, gefährliche Alltagssituationen im Straßenverkehr zu erkennen. Dabei sehen sie die Gefahrenstelle nicht nur aus der eigenen Perspektive, sondern wechseln – natürlich nur virtuell – auch z.B. ins Lkw-Fahrerhaus, um zu verstehen, welche Herausforderungen andere Verkehrsteilnehmende zu meistern haben.  Durch die integrierte Gebärdensprache werden auch Kinder mit Hörbeeinträchtigung einbezogen.

Das zweite Projekt der Münchner Firma Connected Reality macht Kindern und Jugendlichen den Rettungsdienst in kurzen, pädagogisch begleiteten Virtual-Reality-Erlebnissen verständlich. Sie lernen den Rettungswagen, typische Abläufe und die Arbeit des Rettungsteams kennen. So gewinnen sie Sicherheit und erfahren, wie Ruhe, Kooperation und richtiges Verhalten in Notfällen helfen – ohne reale Gefahr oder Überforderung.

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Medienpreis: Hörspiel „Im Takt der Stadt – Abenteuer Schulweg“ / Hamburg

Der diesjährige Medienpreis, den der Aktion Kinder-Unfallhilfe e.V. gemeinsam mit dem Partner TEILEn e.V. vergibt, geht nach Hamburg. Mit einem 26-minütigen Verkehrshörspiel will die Polizei Hamburg die Verkehrskompetenz von Vorschul- und Grundschulkindern stärken. In spannenden Geschichten und mit einprägsamen Liedern lernen die jüngsten Verkehrsteilnehmenden, ihren Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad sicher und selbstständig zurückzulegen. Das Hörspiel greift unter anderem Themen wie Elterntaxis, Handynutzung und das sichere Überqueren von Straßen auf. Es ist seit dem 8. September 2025 kostenlos als Podcast verfügbar und kann im Unterricht sowie zur Vor- und Nachbereitung praktischer Verkehrstrainings eingesetzt werden.

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